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Reichverziertes Wikinger-Schwert entdeckt

Reichverziertes Wikinger-Schwert entdeckt

1.200 Jahre alte Waffe könnte in Frankreich oder England geraubt worden sein

Kostbare Beute: In Norwegen haben Schatzsucher ein kostbar verziertes Schwert aus der Wikingerzeit entdeckt. Griff, Knauf und Kreuzstange dieser vor rund 1.200 Jahren geschmiedeten Waffe sind mit Ornamenten aus Gold und Silber geschmückt. Die Machart des Schwertes deutet darauf hin, dass die kostbare Waffe nicht von Wikingern stammte, sondern in Frankreich oder England geschmiedet wurde– möglicherweise war es Beute eines Wikinger-Raubzugs.

Vor rund tausend Jahren dominierten die Wikinger weite Teile Europas – davon zeugen Relikte ihrer Handelsplätze und Burgen, aber auch viele ihrer Gräber. In diesen wurden hochrangige Krieger oft in Booten und mitsamt ihren Waffen begraben. Auch einige Wikingerfrauen kämpften damals offenbar als Krieger und wurden mit entsprechenden Ehren bestattet.

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So sehen die zusammengefügten Stücke des Schwerts aus.. © Cora Oschmann, Museum of Archaeology/ University of Stavanger

Fund in der Nähe der „Wikinger-Königin“

Eines der bekanntesten und prachtvollsten Frauengräber der Wikingerzeit liegt in der Nähe der norwegischen Stadt Stavanger in Gausel. Dort wurde schon im Jahr 1883 das Grab einer hochgestellten Wikingerfrau entdeckt, möglicherweise einer Königin. Ihr Grab ist reich mit kostbaren Beigaben ausgestattet, darunter Schmuck aus Silber und Bronze, Perlen, verzierten Messern und einer Pferdetrense. Einige dieser Objekte stammen zudem nicht aus Skandinavien, sondern aus Großbritannien und Irland.

Jetzt haben zwei Hobby-Schatzsucher im Gebiet von Gausel erneut einen Fund gemacht. Mithilfe ihrer Metalldetektoren stießen sie auf drei Bruchstücke eines kostbaren Schwerts. Nähere Untersuchungen durch Wissenschaftler des Museums für Archäologie der Universität Stavanger ergaben, dass es sich um ein Schwert aus der Zeit um das Jahr 800 handelt – und damit aus der Ära der Wikinger.

Einzigartige Verzierungen in Gold und Silber

„Es ist aufregend, einen solchen Fund zu machen, wir entdecken jeden Tag neue Details“, sagt Cora Oschmann vom Museum für Archäologie. Die Schwertklinge fehle zwar, aber schon die drei vom Heft des Schwerts erhaltenen Teile seien außergewöhnlich. Das Heft des Schwertes ist mit kunstvollen Verzierungen aus Gold und Silber geschmückt. Darunter sind geometrische Figuren, die in der sogenannten Niello-Technik gefertigt sind. Dabei werden Linien und Muster in das Silber eingraviert, die anschließend durch schwarze Farbe hervorgehoben werden.

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Aufwendige Verzierungen am Schwertgriff (links) und Tierkopf am Ende der Kreuzstange. © Museum of Archaeology/ University of Stavanger

Die beiden Enden der Kreuzstange sind dagegen zu Tierköpfen geformt. „Die Handwerkstechnik ist von sehr hoher Qualität und das reiche und komplizierte Dekor und die räumliche Ausformung der Kreuzstange machen dies zu einem wirklich einzigartigen Fund“, sagt Zanette Glørstad vom Museum für Archäologie. Form und Größe legten nahe, dass dies eines der größten und am reichsten verzierten bisher bekannten Schwerter der Wikingerzeit sein könnte.

Aus Frankreich oder England geraubt?

Ungewöhnlich ist jedoch auch die mögliche Herkunft dieser kostbaren Waffe. Denn die Ornamentik und Tiermotive der Verzierungen deuten darauf hin, dass dieses Wikingerschwert nicht aus heimischer, skandinavischer Produktion stammte. Stattdessen ähnelt es historischen Schwertern, die in Westeuropa geschmiedet wurden. „Das Dekor spricht dafür, dass dieses Schwert in Frankreich oder England gefertigt wurde“, sagt Glørstad.

Dem neuen Schwertfund am ähnlichsten ist demnach ein ebenfalls rund 1.200 Jahre altes Schwert, das in einem Grab auf der schottischen Insel Eigg entdeckt worden war. „Auch das neue Schwert kann in diese Zeit datiert werden „, so die Archäologin. Sie und ihre Kollegen vermuten, dass auch das Schwert von Gausel nicht von den Wikingern selbst hergestellt wurde. Stattdessen könnte es bei einem Raubzug der Wikinger erbeutet oder durch Handel nach Skandinavien gelangt sein.

„Der Fundort nahe am Grab der Wikingerkönigin legt nahe, dass wir uns das gesamte Jåttå/Gausel-Gebiet noch einmal näher anschauen sollten“, sagt Håkon Reiersen vom Museum für Archäologie. „Denn die herausragende Sammlung von spektakulären importierten Funden in diesem Gebiet zeigt, dass dies offensichtlich ein wichtiger Knotenpunkt für Verbindungen über die Nordsee hinweg war.“

Quelle: The University of Stavanger

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